Der Sammler im Alter

Oder eher

Ich und meine Sprechblasen

 

Ich habe es getan! Nach Jahrzehnten des Lesens, Rezensierens, Kaufens, Geschenktbekommens und alles Aufhebens erkannte ich das große Problem: Wissen deine Nachkommen eigentlich, was sie da wegwerfen müssen? Und ich musste mir eingestehen, wie sollten sie das können?

Also nahm ich mir die Zeit, die mir das Leben schenkte, und setzte mich zuerst mal an den Computer. Die vielen kostenlosen Angebote, eine Sammlung zu erfassen, waren mir zu kompliziert und wahrscheinlich habe ich einfach nicht sorgfältig genug gesucht, ich habe nichts gefunden, was mir gefiel. Ich setzte mich mit dem Macher des Comic Guide in Verbindung, schließlich ist das – soweit mir bekannt ist – die größte Datenbank deutscher Comics. Ich fragte, ob es eine Erweiterung für Sammler gäbe, eine Möglichkeit, die eigenen Hefte einfach mit einem Klick in ein Kästchen als „meins“ zu dokumentieren.

codeschnipsel

Diese Erweiterung gab es nicht und mein Angebot, eine soche zu Programmieren scheiterte leider nach vielen Mails. Aber der Gedanke ließ mich nicht los und ich setzte mich wieder an den Computer. Nach vielen Ideen, vielen gescheiterten Versuchen und einigen gravierenden Änderungen hatte ich es dann soweit, dass ich genau dass tun konnte, was ich wollte. Eine lange Zeit des „jeden Comic in die Hand nehmen und Häkchen setzten“ begann und endete mit einer etwas umfangreicheren Liste, als ich zu Beginn vermutete. Wieder einmal in meinem Leben hatte meine Frau recht behalten.

Und als ich dann fertig war, etwas entnervt von meiner Programmierung und einiger unnötiger Warterei, weil ich unnötige Seitenaufrufe und zu komplexe Datenbankabfragen verwendete, habe ich genau diese Punkte noch mal bearbeitet und könnte jetzt alles viel schneller machen.

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Ich habe mit Schmerzen gelernt und wünschte mir plötzlich irgendwie eine Möglichkeit, dem Computer das Heft zu zeigen und der würde dann freundlich wie die Digitalsklaven sein können, mir das Heft anzeigen. Kein Gesuche mehr … das hat nicht ganz geklappt, aber nach einem freundlichen Gespräch mit einem Ex-Comic-Sammler und einer zweistündigen Fahrradtour war ich einer weiteren Idee reicher und Tage später erkannte ich, dass ein Handy für den Scan eines Barcodes viel Licht braucht.

Natürlich ist das noch nicht das Ende. Vielleicht durchsucht mal mein Programm die weite Welt des Internets und sucht nach Preisen für meine Hefte. Die ersten Zeilen sind geschrieben.

Und was hat das alles gebracht? Jetzt kaufe ich Hefte, von denen ich nicht wusste, dass sie mir fehlen. Aber zumindest kann ich jetzt nachschlagen, ob mir dieses zerknüllte „Raumagent Alpha“ Heft, dass auf dem Tapeziertisch eines Comic-Händlers oder in einer Internet-Kleinanzeigen „günstig“ zu haben sein sollte, wirklich zu meinem Glück fehlt.

Jetzt weis mein Umfeld um die vielen Schätze, die vor allem persönliche Schätze sind, und wird die Liste mal veröffentlichen, sodass das eine oder andere mit Liebe zerlesene Kleinod trivialer Schundliteratur mit Alltagsgrafik einen Nostalgiker zu seinem Glück ein paar Seiten beisteuert.